Schlimmer aber sei, dass die Altstadt von Erbenheim mit engen verwinkelten Gassen als Demonstrationsgebiet für geeignet befunden wurde: „Die Neo-Nazis wollten gegen die amerikanische ‚Besatzung’ und -ausgerechnet- gegen ‚Kriegstreiberei’ und ‚Folterknechte’ demonstrieren: Ihr Aufmarsch vor der US-Airbase in Erbenheim wäre Zugeständnis genug gewesen“, kritisierte Rabanus. Alt-Erbenheim hätte man ihnen nicht überlassen dürfen.
So sei es zu der absurden Situation gekommen, dass die Gegendemonstranten in den nördlichen Neubaugebieten bleiben mussten, aber „Ewig-Gestrige“ an den „Stolpersteinen“ in Alt-Erbenheim vorbeimarschierten, die an die Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft erinnern: „Die Stolpersteine verweisen auf die Opfer von Kriegstreiberei und Folterknechten, die einen großen Teil Europas mit einem barbarischen Regime besetzten. Rechtsextremisten vertreten das geistige Erbe dieser Kriegstreiber und Folterknechte –und geben vor, gegen solches Unrecht zu demonstrieren.“ Rabanus forderte: „Diesen Leuten kommt man nicht entgegen, man legt ihnen jeden denkbaren Stein in den Weg! Deshalb muss das Genehmigungsverfahren dieser Demonstration kritisch geprüft und es müssen Konsequenzen von der Stadt Wiesbaden gezogen werden.“ Genau so kritisch müsse aufgearbeitet werden, wieso nicht wenigstens die Mahnwachen und ein Gottesdienst oder der Mahngang der Gegendemonstranten im Westen Alt-Erbenheims genehmigt wurden. Martin Rabanus: „Das breite Bündnis von Gewerkschaften, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Initiativen und Parteien wurde in seinem Demonstrationsrecht über Gebühr eingeschränkt, ein kleines Häufchen Dummer und Demagogen wurde bevorteilt.“
Zwei Dinge regen Martin Rabanus besonders auf: „Dass der Oberbürgermeister und die derzeitige Ordnungsdezernentin nicht zur Demonstration kamen und ihre Unterstützung dokumentierten, zeigt Distanz zu unserem Anliegen, uns Rechtsextremen in den Weg zu stellen. Viel schlimmer noch ist aber die Aussage des Wiesbadener Verwaltungschefs, durch die Gegendemonstration werte man die Neo-Nazis auf. Das ist eine völlig verquere Haltung. Duldung und Ignoranz ermöglichen diesen professionellen Verdummern ihre Agitation und verhindern, dass eines deutlich wird: Ihre Ideen sind gefährlich, inhuman und verfassungsfeindlich. Es muss klar werden, dass die übergroße Mehrheit der Bevölkerung gegen diese Ideen steht. Das erreicht man durch Aktivität, Präsenz und Engagement -und nicht durch vorauseilende Genehmigungen und Gleichgültigkeit. OB Müller und die Ordnungsdezernentin haben die Einwohner von Alt-Erbenheim in Angst versetzt und wohlmöglich engagierte Demokraten vor allem aus konservativen Parteien abgehalten von ihrer Teilnahme an einem deutlichen Zeichen gegen Rechtsextremisten. Das ist eine schlechte Bilanz.“



